Eine der traditionsreichsten deutschen Schiffahrtslinien

Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft "HANSA"

"Hansa" Flagge wie es sie ab 1881 gab

Die Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft "Hansa" (Kurzform DDG "Hansa") oder auch Hansa-Linie genannt, wurde im Jahr 1881 in Bremen gegründet. Sie war bis zu ihrem Konkurs im Jahr 1980 eine der bedeutendsten Reedereien der Welt.

Auch heute noch, Jahrzehnte nach dem tragischen Konkurs, hinterlässt die "Hansa" eine Lücke auf den Weltmeeren. Insbesondere in Bremen, dem Heimathafen aller Hansa-Schiffe, wird das Fehlen einer wirklich bedeutenden Bremer Reederei als sehr schmerzlich empfunden.

Die Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft "Hansa", Bremen, gehörte zu den führenden Linienreedereien Deutschlands. Sie verfügte über eine Flotte von bis zu 70 Schiffen mit insgesamt 513000 Ladegewicht bzw. Tragfähigkeit und zugleich über die leistungsfähigste Schwergutflotte der Welt. Insgesamt 29 von ihren 39 Überseefrachtern hatten Schwergutgeschirre zwischen 140 und 640 Tonnen Hebekraft, zwei Roll-on-Roll-off-Schiffe sogar bordeigene Gleiskettentieflader zur Übernahme von 800-Tonnen-Lasten ohne fremde Hilfe.

Vor 1914 besaß die "Hansa-Linie" die größte Frachterflotte der Welt. Seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde in Indien, Pakistan, Bangladesch, Burma, längst auch im Mittleren Osten - in allen Häfen zwischen Port Said und Massaua, Khorramshar, Bushire, Bombay, Calcutta, Rangun - das schwarze Hansakreuz auf der weißen, rotgeränderten Banderole und Kontorflagge gleichgesetzt mit dem Begriff "Germany". Auf Madagaskar, Reuniòn, Mauritius und den Komoren, in Ostafrika, im Mittelmeer, in Spanien und Portugal sowie an der amerikanischen Ostküste waren die Linienfrachter der DDG "Hansa" gewiss ebenso populär.

Von 1881 bis 1976 hatten nicht weniger als 322 eigene und 14 bereederte Schiffe bei Indienststellung oder Übernahme die "Hansa"-Flagge gesetzt. Hinter dieser Zahl verbergen sich faszinierende Schiffsschicksale. So verbrachte die erste LIEBENFELS 53 Jahre auf See. Sie überstand zwei Weltkriege und eine Selbstversenkung, um eines Tages unter englischem Namen und Panama-Flagge, mit japanischer Besatzung wieder in ihrem alten Heimathafen Bremen aufzutauchen. Die erste MINEBURG blieb sogar geschlagene 56 Jahre in Fahrt, obwohl sie schon 21 Jahre vor ihrem Ende einmal zum Abwracken verkauft worden war.

Beim Umfang der 1914 und 1939 weltweit verstreut vom Kriegsausbruch überraschten Reedereiflotte konnte es nicht ausbleiben, dass sich "Hansa"-Schiffe später unter verschiedenen Flaggen als Kriegsgegner wieder trafen. So kaperte WACHTFELS im Gewande von S.M.S. WOLF die GUTENFELS (II) in Gestalt der britischen Prise TURRITELLA zurück. ATLANTIS (GOLDENFELS III) versenkte die CITY OF BAGDAD ex GEYERFELS (II). Auch ergab sich 1921 das Kuriosum, dass die als britische Kriegsbeute ausgelieferten Schiffe CROSTAFELS (I) und GOLDENFELS (II) in Zeitcharter ihrer vormaligen Reederei und Erbauerin weiterfuhren, ehe sie zwei Jahre später ganz zurückgekauft wurden.

Viele Schiffe mit dem Hansa-Kreuz im Schornstein erlebten unfreiwillige Abenteuer, die jeweils viele Seiten füllen würden. So hat 1941 die Verwegenheit mit der die WARTENFELS (II) durch den ebenso engen wie streng bewachten Flaschenhals der Straße von Perim schlüpfte, um von Massaua am Roten Meer nach Diego Suarez "auszubüxen", der Royal Navy die Sprache verschlagen. Auch die Blockadedurchbrüche der TANNENFELS (III), mitten im Krieg mit jeweils voller Ladung von Chisimaio nach Westfrankreich, von dort nach Japan und zurück, mögen stellvertretend für andere Schiffsschicksale genannt werden.

In weltweiter Fahrt vollbrachten Hansa-Schwergutfrachter als "Schwerathleten der See" immer wieder spektakuläre Leistungen, wenn sie ganze Fabrikanlagen auf einsamen Inseln oder am hafenlosen Wüstenstrand anlandeten. Sie transportierten unzerlegte Absorber und Destillationstürme, Schleusentore, Feuerschiffe, riesige Löschbojen, Bagger, Fährschiffe, Schlepper, Transformatoren oder gar Atomreaktoren "huckepack" über alle Meere. Diese wurden mit eigenem Geschirr übernommen und wieder gelöscht.

Der Umgang mit solchen Kolli ist Hohe Schule - eine "Hansa"-Spezialität, die vollendete Seemannschaft, Augenmaß, Fingerspitzengefühl sowie gekonnte Dispositionen und Berechnungen der Nautischen Inspektion, aber auch der Frachtabteilung ebenso voraussetzt wie nautisches Geschick.

Ideenreich und allen technischen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen, stand die DDG "Hansa" als eine der "Big Player" der deutschen Seefahrt auf der Höhe ihrer Zeit. Das entsprach einer großen Tradition, und auch einer großen bremischen Tradition, bis die DDG "Hansa" in einer in den Fahrtgebieten politisch schwierigen Zeit durch die Gläubiger zum Konkurs gezwungen wurde.

Damit opferte Bremen nach dem Norddeutschen Lloyd auch seine letzte Reederei von Rang und Namen.

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