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Entstehung des Eisenbahnwesens

Die Entstehung des Eisenbahnwesens

 

Eisenbahn und Industrialisierung

Die Bedeutung der Eisenbahn als Voraussetzung für die Industrialisierung beruht auf der Tatsache, dass die kostengünstige Produktion von Massenartikeln ohne ein leistungsfähiges Transportwesen illusorisch wäre.

Erst die Möglichkeit, große Warenmengen den Verbrauchern ausgedehnter Regionen schnell zugänglich zu machen, war Grundlage jeglicher rationeller Massenfertigung. Mit Erfindung der Dampfmaschine und der Entwicklung von Eisen und Stahl waren die technischen Randbedingungen geschaffen für den Aufbau eines leistungsfähigen Transportwesens mittels so genannter Eisenbahnen.

 

Die Idee der Schiene

Die Wiege der Industrialisierung steht in England. Schon 1680 hatten englische Bergleute Waggons auf Schienen aus Eichenholz zum Transportieren von Kohle zur Verladung auf Schiffe benutzt. 1767 experimentierte die Coalbrookdale Iron Co. erstmalig mit gusseisernen Schienen. Ihr L-förmiges Profil, genannt "trammel" (= Fessel) verhindertedas Abgleiten des Rades.

Aus trammel way entstand dann der Begriff tramway. Nach diesem Prinzip wurden noch die ersten Meilen der Baltimore & Ohio Rail Road gebaut. Doch schon 1789 hatte Jessop in Loughborough (zwischen Leicester und Nottingham) das bis heute verwendete Eisenrad mit Flansch erfunden und erprobt, was bei der Schiene drastisch Material einsparte.

 

Transport auf Kanälen

Die bisher wirtschaftlichste Art des Überlandtransport verlief über Kanäle, deren Bau seit 1770 vorangetrieben worden war. Doch obwohl es zwischen Liverpool und Manchester drei Wasserstraßen gab, waren diese zuweilen so überlastet, dass die Webereien in Manchester vier Wochen auf ihre Baumwolle aus dem 100 km entfernten Liverpool warten mussten. Mehr als 1.200 t Fracht konnten pro Tag nicht bewältigt werden, der durchschnittliche Transport dauerte 36 Stunden.

 

Die ersten Eisenbahnen...

Die erste Maßnahme, diesen Missstand zu verbessern, war das 1821 erlassene Gesetz zum Bau der Stockton & Darlington Railway (etwa 45 km südlich von Newcastle). Kohlenbergwerke hatten die Wirtschaftlichkeit der Eisenbahn sogar mit Dampfantrieb bereits bewiesen: Die Helfen Railway bei Newcastle z.B. verband die Zeche mit dem 12 km entfernten Ladeplatz am Weir-Fluß. Ihre Züge überbrückten diese Strecke mit 60 t Ladung in weniger als 1 1/2 Stunden. Die Maschine verbrauchte dafür weniger als 1/4 t Kohle als Treibstoff.

Während anfänglich Pferde die Stockton & Darlington-Züge bewegten, setzte ihr Ingenieur George Stephenson bald durch, dass Lokomotiven eingesetzt wurden. Bei der offiziellen Eröffnung im September 1825 bediente Stephenson die Lokomotive, die 34 Waggons mit 90 t Bruttogewicht zog, allen voran ein Signalman zu Pferde.

 

Gulf, Mobile and Ohio Railroad Company
Bildbeispiel einer dekorativen und preiswerten Eisenbahnaktie aus den 1950-er Jahren.

 

Obwohl die Bahn für Gütertransport geplant war, bestanden Passagiere von Anfang an darauf, mitgenommen zu werden. So wurde eine tägliche Fahrt von Stockton nach Darlington (hin und zurück in zwei Stunden) eingerichtet. Es gab sechs Innenplätze und bis zu 20 im Freien. Der Fahrpreis war ein Shilling inkl. 6 kg Gepäck.

Die Frachtrate für Kohle wurde zuerst auf 7 Pence pro t und Meile festgesetzt, aber bald auf 1 1/2 Penny reduziert. Sehr wenig im Vergleich zu den 4,3 Pence pro t und Meile auf den Liverpool-Manchester-Kanälen. Der Preis einer Tonne Kohle, der vor Einführung der Eisenbahn in Darlington 18 Shilling betragen hatte, konnte jetzt auf 8'/2 Shilling gesenkt werden.

1826 folgten die Monksland Railway in Schottland, die Canterhury & Whistable in Kent und einige noch kleinere Bahnen. Aber erst die Einweihung der Liverpool & Manchester Railway 1829 hinterließ bei der Bevölkerung den Eindruck, dass ein neues Zeitalter angebrochen war.

 

Eisenbahnen in den USA

Das Land. das sich als erstes nach England auf die Entwicklung von Eisenbahnen stürzte, waren die USA. Bei der Erschließung eines Kontinents steht die Überbrückung von Entfernung im Mittelpunkt. Dabei gab es zahlreiche Handicaps. Außer Holz war in den USA alles teurer, einschließlich die Kosten für Kapital, sprich Zinsen. Entgegen landläufiger Meinung war risikobereites Aktienkapital Anfang des 19. Jahrhunderts auch in den USA nicht leicht aufzutreiben. Dennoch wurden 1829 drei Lokomotiven aus England eingeführt.

Erstmals wurde eine von ihnen im August 1829 in Honesdale, Pennsylvania, erprobt. Die erste mit Lokomotiven arbeitende Linie war die 1828 gegründeter South Carolina Railroad, obwohl die 1826 gegründete Baltimore & Ohio Railroad schon 1827 mit einer Lokomotive experimentiert hatte. Doch sattelte sie erst 1832 endgültig auf das Dampfross um.

Bis etwa 1850 dehnte sich das Streckennetz in den USA in etwa gleichem Tempo wie das auf den britischen Inseln aus: 1830: 64 km; 1841: 5344 km; 1847: 8277 km.
Dann beschleunigte sich das Wachstum rapide und ließ die Entwicklung in Europa weit hinter sich. Nicht zuletzt lag das daran, dass Eisenbahnen in den USA notwendigerweise viel wirtschaftlicher arbeiteten.

Quelle: Bond & Share 1997
Seitengestaltung, Aktienbild: Joachim Hahn